über uns


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

beginnend mit Carl Wernicke (1848-1905) über Karl Kleist (1879-1960) entwickelte sich bis zu Karl Leonhard (1904-1987) und Helmut Beckmann (1940-2006) eine wissenschaftliche Schule der Psychopathologie, deren Ziel es ist, eine auf festen Symptomverbänden beruhende Klassifikation psychischer Erkrankungen zu entwickeln.

Immer neue Varianten und marginale Veränderungen in den gegenwärtig gebräuchlichen Klassifikationssystemen, wie ICD und DSM, konnten das strukturelle Defizit einer simplifizierenden, auf wenige psychopathologische Grundsymptome reduzierten Diagnostik und Klassifikation psychischer Erkrankungen nicht lösen. In Gegenüberstellung zu diesen internationalen Klassifikationsversuchen ist es das Bemühen um eine scharfe Phänotypisierung endogener Psychosen und deren spezifischer Ätiologie, das die Wernicke-Kleist-Leonhardsche Richtung der klinischen Psychiatrie derzeit so einzigartig erscheinen läßt. Aus unserer Sicht kann die moderne biologisch-psychiatrische Forschung ihre gewonnenen Erkenntnisse nur nutzbar machen, wenn biologische Befunde mit Krankheitsbildern, die valide nosologische Einheiten darstellen, in Beziehung gesetzt werden. Nur so wird ein wirklicher Fortschritt in präziser Diagnostik, Ursachenerkenntnis, Pharmakotherapie, Rehabilitation und Prävention zu verzeichnen sein.

Die Differenzierte Psychopathologie kann inzwischen einige gewichtige biologische Befunde vorlegen: empirisch-genetische Familien- und Zwillingsstudien zeigen übereinstimmend, daß nur die unsystematischen Schizophrenien und die eng gefaßte manisch-depressive Erkrankung eine wesentliche genetische Disposition aufweisen, während die zykloiden Psychosen ebenso wie die chronisch verlaufenden, systematischen Schizophrenien sporadisch auftretende Psychosen sind; pränatale Störungen spielen hier eine wesentlich ätiologische Rolle. Periodische Katatonien als Subphänotpyp der unsystematischen Schizophrenien zeigen einen dominierenden Einfluß hereditärer Faktoren mit hohem innerfamiliärem Morbiditätsrisiko, Hinweise auf genetische Heterogenität und eine genetische Assoziation mit chromosomalen Risikoregionen.

Ziele unserer Gesellschaft sind die Förderung von Aktivitäten zur Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Werkes von Wernicke, Kleist und Leonhard auf dem Boden der modernen Neurobiologie und die Förderung von Aktivitäten zur Verbesserung einer differenzierten Diagnostik und Therapie in der Psychiatrie.

Wir möchten Sie einladen, zusammen mit uns in dieser Richtung weiter zu arbeiten, und würden uns über Ihre Mitgliedschaft und Mitarbeit in der Wernicke-Kleist-Leonhard-Gesellschaft freuen.


Prof. Dr. med. Gerald Stöber,
Würzburg,
für den Vorstand